LET’S GET REAL! Ehrlichkeit im Sinne des 2. Yamas: Satya

Hand aufs Herz - wenn es um pure Ehrlichkeit geht, dann könnten wir vermutlich alle eine Portion mehr davon vertragen, oder?


Eigentlich bin ich eine sehr ehrliche Person - was ich sage kommt von meinem Herzen. Aber manchmal erwische ich mich doch dabei, nicht ganz ehrlich gewesen zu sein. Zu mir nicht und auch zu anderen Personen nicht. Und zwar, weil ich nicht ganz klar meine Meinung geäußert, schon wieder zu etwas JA gesagt, erneut eine Aufgabe übernommen oder mal wieder ein Treffen vereinbart habe.


Dabei will ich es eigentlich gar nicht, weil es mir zu viel ist, ich keine Lust darauf habe oder ganz einfach mal wieder Zeit für mich brauche. In manchen dieser Situationen bleibt dann dieses blöde ungute Gefühl zurück - damn', warum hab ich nicht auf mich gehört?

Kommt dir das bekannt vor?

Warum zum Teufel sage ich also überhaupt in erster Linie JA?

Warum sage ich nicht wirklich meine Meinung? Wenn ich ganz ehrlich bin ;), deshalb: weil ich nichts verpassen und auch dabei sein will, weil irgendwelche Erwartungen mitschwingen, die ich (vermeintlich) erfüllen muss, weil es sich schon auch ziemlich gut anfühlt, gebraucht zu werden, weil ich manchmal echt nicht weiß, was ich will usw.

Das ist ja alles ganz nett, aber doch ziemlich blöd, wenn man sich selbst dabei vergisst. Außerdem läuft man durch Unehrlichkeit Gefahr, eine tiefe und ehrliche Beziehung zum Gegenüber garnicht erst entstehen zu lassen und stattdessen oberflächlich zu bleiben.


Egomaniac

Es gibt mit Sicherheit verschiedene Gründe, die dazu führen, dass man sich so verhält. Ein Grund ist auf jeden Fall mal das liebe Ego, das sich (oder mich?) pushen will, indem wir gemeinsam eine gute Tat vollbringen.


Ich sehe mein Ego ein bisschen als ein kleines freches Ding, das eigentlich ziemlich oft gemütlich in seinem Kämmerchen chillt und mich in Ruhe lässt. Manchmal aber wird es durch irgendetwas getriggert (zu sehr würde es jetzt den Rahmen hier sprengen, darüber auch noch zu schreiben), krabbelt auf meine Schulter und stachelt mich an.


Und ja, manchmal lasse ich mich von dem süßen Gerede und der beflügelnden Motivation einlullen, tue etwas das nicht mit meiner inneren Stimme abgesprochen war und denke sowas wie: „yay, ich bin die Retterin der Situation“ oder „mh toll, ohne mich wäre das nicht so gut gelaufen“ und auch "ach tut das gut, so geschätzt zu werden".


Authentizität

Ein anderer Grund hat damit zu tun, nicht authentisch zu sein. Weil ich mir selbst eben nicht treu bin, wenn ich nicht meine Meinung sage, Aufgaben übernehme, die ich nicht machen will, mich mit jemandem Treffe, obwohl ich Zeit für mich brauche, wenn ich mal wieder ja und nicht nein sage.


In diesen Momenten bin ich eigentlich ziemlich weit weg von mir selbst. Ganz nah bei meinem Gegenüber, der oder die sicher happy darüber ist und auch ganz nah am Ego, denn das sitzt mir immer noch auf den Schultern und jubelt mir zu. Aber bin ICH happy, wenn ich eigentlich keine Lust, keine Zeit und keine Kraft dafür habe, wenn ich nicht das sagen konnte, was ich eigentlich empfinde? Wohl eher nicht!


Halt die Klappe Ego und lass hören, was die innere Stimme dazu sagt

Es wird also Zeit, das Ego von seinem Treppchen (oder der Schulter) zu holen, es weniger wichtig zu nehmen und stattdessen die eigenen Bedürfnisse hoch oben sichtbar aufzustellen. Es wird Zeit, auf die innere Stimme zu hören. Darauf, was sich tief im Herzen richtig anfühlt.


Ich habe für mich herausgefunden, dass es sich lohnt, dafür mal einen Moment die Augen zu schließen und zu spüren, ob sich das eigentlich gut anfühlt was gerade passiert. Und wenn nicht: was müsste geschehen, dass ein gutes Gefühl im Nachhinein bestehen bleibt?


Ganz wichtig ist es, dabei auf dein Herz oder dein Bauchgefühl (wo auch immer deine innere Stimme zuhause ist) zu hören und nicht auf das Ego, das jetzt zwar nicht mehr auf den Schultern aber in der Ecke sitzt und auch auf sich aufmerksam machen will. Erst wenn du wirklich hörst, was in dir abgeht, ist es möglich, auch wirklich das zu tun und zu sagen, was du wirklich empfindest.


Satya heißt's im Yoga

Im Yoga nennt man diese ehrliche Haltung Satya, was auf Sanskrit soviel bedeutet wie Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit. Es geht darum, ganz aufrichtig mit dir selbst und mit deiner Umwelt umzugehen, treu zu sein, ohne zu lügen, ganz authentisch zu sein.

Denn ich darf schließlich auch nein sagen und ganz ehrlich sein. Sagen, wenn mir was zu viel wird, wenn ich keine Lust habe, wenn ich überfordert bin oder wenn eine Situation nicht meinen Werten entspricht. Und zwar auch, wenn mein Gegenüber darüber erstaunt ist.

Hier ein paar hilfreiche Tipps, um mehr Ehrlichkeit im Alltag zu leben:


Chilly vanilly

In Situationen, in denen man selbst überrumpelt wird, hilft es, nicht sofort zu reagieren und mit der Entscheidung einfach mal 5 Minuten abzuwarten. Kein Mensch ist böse, wenn du sagst: ich brauche kurz ein paar Minuten und danach gebe ich dir Bescheid.

Diggin' deep

In Situationen, in denen es um deine Meinung geht und es dir schwer fällt diese zu äußern, ist es ganz wichtig, bereits jetzt schon herauszufinden, warum es dir eigentlich nicht leicht von den Lippen geht.

Willst du die Erwartungen deines Gegenübers erfüllen? Willst du ihn oder sie gutfühlen lassen, indem du der gleichen Meinung bist? Willst du einem Konflikt aus dem Weg gehen oder meinst du, du darfst nichts sagen, weil du mit einer Autoritätsperson sprichst? Erforsche, was dem zugrunde liegt. Und frage dich, ob nicht auch diese Autoritätsperson ein bisschen Wahrheit verträgt bzw. ob es richtig ist, nur deshalb den Mund zu halten.


Shout out loud

Wenn du weißt, wovon du überzeugt bist und spürst, was du tief in dir wirklich empfindest, dann ist der wichtigste Schritt schon geschehen! Dann bist du nämlich plötzlich ganz nah bei dir und weißt, dass das richtig ist, was du anschließend tust oder sagst. 


Jetzt muss es dir nur noch gelingen, es auch wirklich auszusprechen. Aus eigener Erfahrung kannst du nichts falsch machen, wenn du ganz klar deine Bedürfnisse kommunizierst. So kannst du beispielsweise sagen, dass du Zeit für dich brauchst, dich dadurch überfordert fühlst oder erstmal anderen Projekten den Vorrang geben möchtest.


Stärkende Asanas und Vishudda

Vishu was? Vishudda ist das 5. Chakra und auch bekannt als das Halschakra. Es steht für Kommunikation, Wahrheit, Klarheit und dafür, die eigenen Bedürfnisse in aller Offenheit zu äußern.


Vielleicht fällt dir auf, dass sich deine Kehle verengt oder du einen Klos im Hals bekommst, wenn du in bestimmten Situationen nicht ganz du selbst sein kannst. Auf Chakren-Ebene spricht man von einer Blockade des Energieflusses. Um die Energie in deinem Halschakra, bzw. im wahrsten Sinne des Wortes, dein Wort durch den Kehlkopf wieder fließen zu lassen, hilft es, Hals und Nacken aufzulockern, tief zu atmen, diesen Bereich weit werden zu lassen und zu stärken.


Asanas, die die Halswirbelsäule strecken, stimulieren und stärken dein Halschakra. Das sind Rückbeugen wie der Bogen (Dhanurasana), die Heuschrecke (Shalabhasana) oder der Fisch (Matsyasana).


Aber auch Umkehrhaltungen wie die Schulterbrücke (Setu Bandha Sarvangasana) oder der Schulterstand (Salamba Sarvangasana), in den du bitte nur hineinkommst, wenn du dich ganz sicher fühlst, da der Halswirbelbereich bei nicht aufmerksamer Ausführung stark gestaucht werden kann.



So banal sich Ehrlichkeit anhören mag, es ist ein (lebens-)langer Prozess, wirklich ganz ehrlich zu sein. Mir persönlich macht dieses Erforschen, ob nun das Ego oder mein Herz im Vordergrund ist sowie das Wahrnehmen meiner Bedürfnisse richtig viel Spaß. Und so versuche ich also immer mehr in mich hineinzuhören, meinem Herzen zu lauschen, nicht sofort zu reagieren, sondern erst mal zu schauen, was ich eigentlich will und dann ganz ehrlich zu mir und zu meinem Gegenüber zu sein.


Ehrlichkeit - ahhh was für eine Befreiung!


Geht es dir auch manchmal so wie mir? Was machst du, um ganz bei dir zu bleiben? Lass mir gerne unten ein Kommentar da, so können wir uns austauschen, und voneinander lernen. Bin gespannt auf deine Gedanken!

Mehr über Satya

Satya ist eines der 5 Yamas (Umgang mit mir und der Umwelt), die gemeinsam mit den 5 Niyamas (Umgang mit mir selbst) Einstellungen zum Leben verkörpern und die beiden Grundpfeiler des 8gliedrigen Yogapfades bilden. Lebt man sie (bzw. den Yogapfad), führen sie zu Gelassenheit, Zufriedenheit und Freiheit.

Freiheit von was? Von unserer eigenen Ego-Falle, die uns oft daran hindert, das zu erreichen, was uns wirklich guttut. So wichtig und wertvoll unser Ego zum Überleben und vorankommen ist, so hinderlich ist es gleichzeitig, wenn es ständig mehr, besser und schneller fordert, anstatt einfach mit dem zufrieden zu sein was ist, damit wir sehen können was wir wirklich brauchen, wer wir wirklich sind. Und genau das wertzuschätzen.

Ein lebenslanger Prozess, aber damit starten kann man immer ;).


Alles Liebe, Cora

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Fotocredits gehen an die talentierte Katja Horninger!

Foto Yoga im Grätzl von Anna Ammann

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