Schleich di du Oaschloch

Was Corona, Terroranschläge und private Herausforderungen mit uns machen und was wir dringend brauchen, damit wir uns dabei nicht selbst vergessen.


Corona... Dieser scheiß Virus bestimmt unser aller Leben auf der Welt bereits das ganze Jahr. Die Nähe zu Familie und Freunden, ausgelassene Feiern, entspannte Urlaube, Normalität und Freiheit, wie wir sie bisher kannten... All das geht schlecht, denn die Infektionszahlen lassen es nicht zu. Ja viele von uns müssen sogar ihr ganzes Leben umkrempeln, weil sie ihre Arbeit verloren, weil sie Angst um ihre Existenz haben oder weil ihre Kids wegen Coronafällen in der Schule zuhause sind. In ganz tragischen Fällen, weil sie selbst erkrankt sind oder eine geliebte Person verloren haben.


Weil wir sowohl in Österreich als auch in Deutschland am 2. Lockdown nagen, hatte meine Montagseinheit am Abend das Thema Zusammen ist man weniger allein. Seit dem ersten Lockdown im März machen wir Online-Yoga, damals habe ich damit aus dem gleichen Grund angefangen. Wir haben also am Montag alle ganz bewusst unsere Kameras angelassen, dadurch die Kraft der starken Gemeinschaft gespürt und uns wieder daran erinnert, dass wir Einzelnen nicht alleine sind! Das war irre schön!

Sicherheit und Freiheit - ich dachte ihr seid immer da

All die Beschränkungen, die natürlich wichtig sind, um Corona einzudämmen (!), kratzen an der persönlichen Freiheit und Sicherheit, die wir bisher eigentlich gewöhnt waren. Und als wäre es nicht genug, kam am 2. November, letzten Montag in Wien diese unwirkliche Situation dazu.


Eine unfaire und schreckliche Tat, die, wie es sich später herausstellt, ein Terroranschlag auf das Wiener Herz gewesen ist. Ein Mensch, der 4 kostbare Menschenleben genommen, 22 Menschen verletzt, Angehörige in tiefe Trauer und mindestens ganz Wien in Angst versetzt und viele mehr erschüttert hat. Er, dessen Name zurecht nicht genannt wird, hat als Anhänger der Terrormiliz IS auf (vermutlich) eigene Faust dieses grausame Attentat begangen. #schleichdiduoaschloch* - ein Wiener sagt, was wir für Hass und Terror übrig haben!



Und plötzlich waren sie weg...

Und was vorher schon angekratzt war, ist spätestens jetzt schlagartig ins Wanken geraten. Für mich (wahrscheinlich auch für dich) sind Sicherheit und Freiheit existentielle Bedürfnisse, die einen riesigen Einfluss auf mein Wohlbefinden haben. Auch obwohl sie im Leben nicht selbstverständlich sind (es natürlich sein sollten!), waren sie das aber bisher in unserer Region und Generation durchaus. Und dann geschieht sowas...


Plötzlich fühle ich mich nicht mehr so sicher, denn wer weiß, wann so ein plötzlicher Gewaltakt wieder passiert. Und plötzlich fühle ich mich nicht mehr so frei, denn wo keine Sicherheit ist, da fällt es mir schwer, mich frei und lebendig zu fühlen.

Neben Terroranschlägen und Coronawahnsinn vergisst man oft auch zu erwähnen, dass wir alle noch unsere eigenen Herausforderungen und Päckchen zu tragen haben. Es sind Zeiten, die uns alle ganz schön belasten. Uff...


Von außen nach innen - vergiss dich nicht dabei!

Vielleicht geht es dir ja genauso? Ich bin sehr emphatisch, was mir allerdings manchmal auch zu einem Problem wird. Ich kann mich in andere Menschen und Situationen schnell und einfach reinversetzen und sie verstehen (nicht immer natürlich). Eigentlich ist Empathie also an Sich eine wunderschöne Eigenschaft. Sie kann aber durchaus belastend sein und zwar dann, wenn dieses Reinversetzen, das Reinfühlen zu viel wird. Wenn Mitgefühl zu Mitleid wird - im Sinne von mitleiden.


So merke ich selbst, dass ich mich teilweise in einen Negativ-Tunnel reinziehe, wenn ich mich zu sehr mit den vielen verrückten und schrecklichen Weltgeschehnissen auseinandersetze. Gleichzeitig brauche ich das auch. Nicht die Negativ-Gedanken, aber ich muss einfach wissen, was da Draußen passiert und mir meine eigene Meinung dazu bilden. Das ist für mich auch deshalb wichtig, weil ich nicht in einer selbstaufgeblasenen heilen aber unrealistischen Bubble leben möchte, die ständig Gefahr läuft, platzen zu können.


Wenn es dir auch so geht wie mir, dass der Grad zwischen mitfühlen und mitleiden schmal ist, ist es wichtig, nicht zu sehr hineinzukippen, dich vorher noch schnell rauszuziehen. Dich nicht lähmen zu lassen, deine Zuversicht und Optimismus dabei nicht zu verlieren und dich vor allem dabei nicht zu vergessen! Das gilt für uns alle.


Wenn wir mit so vielen irren Situationen umgehen müssen und unsere Aufmerksamkeit ständig im Außen ist, weil wir einander unterstützen, helfen, um Verluste und Veränderungen trauern oder "einfach nur" da sind, ist es so ultra wichtig, uns bei all den Turbulenzen nicht selbst zu vergessen! Und uns immer wieder daran erinnern, uns von unserer Aufmerksamkeit im Außen zu lösen und auf unser Innerstes zu hören.


Tu dir was Gutes

Als kleine Erinnerung: Es sind immer noch wir selbst, die bestimmen, wie wir unser eigenes Leben gestalten wollen. Und auch wenn bestimmte Bereiche unseres Lebens derzeit anders verlaufen, als wir es uns wünschen und bisher gewöhnt waren, so müssen wir aber nicht ganz auf unsere Wünsche, Vorstellungen, Bedürfnisse und Werte verzichten! Alles was du in deinem Leben beeinflussen kannst, kannst du auch selbst verändern.


Es ist wichtig, uns bei all den Turbulenzen nicht zu verlieren! Denn es sind immer noch wir selbst, die bestimmen, wie wir unser Leben gestalten wollen. Und so ist es uns möglich, all die Dinge, die wir beeinflussen können, auch zu verändern.

Lass dir deine Liebe , dein Vertrauen, deine Intuition, dein Optimismus, dein Gemeinschaftsgefühl, deine Sicherheit und deine Freiheit nicht nehmen. Stell dich wieder ganz vorne hin vor dein Leben und entscheide selbst, wie du die Situation bestmöglich für dich nutzen kannst. Du kannst die Liste weiterschreiben: was ist für dich wichtig im Leben? Auf was kommt es dir an? Was brauchst du jetzt? Nach was sehnst du dich? Und dann... Go for it!

  • Wenn du das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Zusammenhalt hast, dann triff dich zum Spazierengehen oder bei einem Zoom-Date auf ein Wein mit deinen Liebsten oder mach mit beim Online-Yoga.

  • Wenn du Ruhe und Abstand zum Alltag und den Nachrichten brauchst, dann mach es dir auf der Couch gemütlich, pack dein Buch aus oder werde mal wieder kreativ mit zeichnen, basteln, Gitarre spielen, singen, kochen oder meditieren…

  • Du sehnst dich nach Kontakt zu dir selbst, weil du viel im Außen bist? Dann spür dich, indem du dich bewegst, yogierst, meditierst oder schreib dir deine Gedanken und deine Gefühle auf und komm Stück für Stück näher zu dir. Weg von dem Gedanken-Karussell und mehr zum Fühlen.

  • Vielleicht suchst du die Verbundenheit zur Natur? Dann tanke Kraft im Wald, am Berg oder am Wasser.

  • Wenn du dich (auch so sehr wie ich) nach einer ausgelassenen Tanzparty sehnst, wie wäre es mal mit Musik laut aufdrehen und abshaken, bis du nicht mehr kannst? Hilft auch ganz wunderbar dabei, von den Gedanken wegzukommen und zu den Gefühlen, nach innen vorzudringen.

  • Du brauchst Stabilität und Sicherheit? Wie wäre es mit einer Yogaeinheit, die dich erdet und den Fokus auf ein festes Fundamentes legt? Vielleicht eine, die dein Wurzelchakra stimuliert, um deine Stabilität zu stärken oder einfach eine Stunde Childspose...

Ganz egal was es für dich ist: nimm dir Zeit für dich. Es ist dein Leben. Deine Zeit. Dein Körper. Gönn dir was auch immer du benötigst und wehe du siehst das in irgendeiner Art und Weise als egoistisch an. Von irgendwo muss ja schließlich die Energie wieder hineinkommen, wenn sie durch Herausforderungen, Mitgefühl und selbstloser Hilfe aufgebraucht wird.


Auch ich versuche mein bestes, darin, mich selbst nicht zu vergessen. Ich nehme mir Zeit für mich, wenn ich es brauche und wenn das Gefühl von Unsicherheit, beschränkter Freiheit und Alleinsein auftauchen sollte, dann sag ich erstmal einfach: Schleich di du Oaschloch! Atme tief durch und dann schau ich weiter ;).


Ich wünsche dir den Mut, dein Leben (wieder) voll anzupacken und dich um dich selbst zu kümmern!


Alles Liebe, Cora


*Für alle, die das nicht mitbekommen haben: Als der Terrorist in der Seitenstettengasse geschossen hat, rief ein Hausbewohner in wiener Manier "schleich di du Oaschloch" aus dem Fenster. Eine urban Legend dieser Typ und ein Satz, der in die Geschichte eingehen wird, denn wir lassen uns von Terroristen weder permanent Angst machen, noch Spalten, noch unsere Liebe, Toleranz und Verbundenheit zueinander verlieren! Er hat also genau die Worte gefunden, die wir für Hass und Terror übrig haben!

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Am schönsten ist es natürlich, wenn wir uns live sehen und kennenlernen!

Hier auch ein paar Möglichkeiten, die virtuellen Fühler auszustrecken:

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Fotocredits gehen an die talentierte Katja Horninger!

Foto Yoga im Grätzl von Anna Ammann

​© 2020 | Cora Sommer