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Der Verlust unseres Selbstvertrauens & ein Weg zurück

  • vor 1 Tag
  • 8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Stunden

Es beginnt schon früh. Wenn die eigenen Eltern, die Verwandschaft, Bekannte oder Fremde es meinen, besser zu wissen, als du selbst. Über den Bruch im eigenen Selbstvertrauen, die Verhärtung der Menschlichkeit & wie wir dafür sorgen können, dass wir die innere Wahrnehmung unserer Kinder ehren - für ein starkes Selbstvertrauen.


Meine Tochter rennt fröhlich über den Weg, stolpert und fällt hin. Bleibt kurz still und fängt daraufhin zu weinen an.


Die intuitive Reaktion für mich als Mama lässt mich ohne zu zögern zu ihr gehen, um sie in ihrer Erfahrung zu sehen, sie zu halten, sie zu trösten. Das ist doch selbstverständlich...mag man meinen.


Ich nehme sie auf den Arm, sie zeigt mir, wo es weh tut. Manchmal tut es gar nicht weh und es ist nur der Schreck, der in ihr sitzt. In jedem Fall braucht es ein kleines oder großes Weilchen, bis es wieder geht.



Wenn mich manche Menschen dabei beobachten - und es ist dabei egal, ob sie mir nahe stehen oder nicht - reagieren sie häufig mit einem Kommentar, den wir alle kennen und in Wahrheit doch alle schon so unendlich leid sind:


Ist doch nichts passiert.

B R U C H


Stell dir vor, DU bist 2 Jahre alt, rennst fröhlich über einen Schotterweg, stolperst und fällst hin. Du erschrickst dich, denn gerade ranntest du noch und plötzlich liegst du auf dem Boden.


Das hast du in deinem kurzen Leben noch nicht sehr häufig erlebt. Du brauchst daher ein paar Sekunden, um zu realisieren, was geschehen ist. Vielleicht nimmst du sogar wahr, dass sich bei deinem Sturz auch kleine Steinchen in dein Knie gebohrt haben und das tut ganz schön weh.


Du drehst dich zu deiner Mama, deinem Papa oder Oma/Opa/Tante/Onkel/Freunde … aber das Gesicht deiner Bezugsperson schaut fast schon desinteressiert aus oder blickt vielleicht sogar absichtlich zur Seite.


Statt gehalten & getröstet zu werden, hörst du nur:


ach heul doch nicht immer gleich, es ist ja nichts passiert.


B R U C H


Das einzige, was du willst ist: Gesehen werden, gehalten werden, Einfühlsamkeit.

Was du kriegst: eine unnatürlich emotionslose Reaktion (völlig entgegen dem, was du unbewusst erwartest) und zusätzlich bekommst du gesagt, dass nichts passiert sei. Und das, obwohl faktisch gerade etwas passiert ist - ob Sturz oder Schreck, mit Schmerzen oder ohne ist dabei doch völlig irrelevant - es ist etwas geschehen. Zuerst ranntest du. Dann liegst du auf dem Boden.


Ach, in dieser Reaktion liegt so viel Kälte, so viel Trennung vom eigenen Herz, Härte.


Wenn Co-Regulation ausbleibt

Babies und Kleinkinder können sich noch nicht selbst regulieren und sind daher von der Co-Regulation im Außen abhängig. Diese ist essentiell. Und essentiell bedeutet zum Überleben notwendig, also zwingend erforderlich. Weil sie sich noch nicht selbst regulieren können.


Co-Regulation bedeutet runtergebrochen, dass du als erwachsene Person mit deinem emotional und mental ausgereiften Hirn die Brücke für die Stress-Reaktion des Kindes bist. Indem du als Bezugsperson mit deinen Hormonen (Oxytocin) und deinem regulierten Nervensystem deinem Kind dabei hilfst, von einem erhöhten inneren Stress-Zustand in einen regulierten, ruhigeren Zustand zu kommen. Das kann u.a. durch deine Anwesenheit und Nähe, auf dem Arm tragen, halten, wippen oder stillen geschehen. Es gibt viele weitere Möglichkeiten, das Nervensystem des Kindes zu unterstützen. Greer Kirschenbaum sagt so schön, dass wir als erwachsene Person unserem Baby oder Kleinkind bei der Co-Regulation sozusagen das eigene (entwickelte) Hirn ausleihen.



Wenn also eine Situation stattfindet, in der das Erlebte des Babies oder Kleinkindes tatsächlich erschütternd, schmerzhaft oder “einfach nur” irritierend war, die umgebenen Bezugsperson(en) jedoch nicht oder anders als sie sollte(n) reagieren, dann löst das selbstverständlich etwas im Erleben des Kindes aus. Das verändert die Realität des Kindes.


Es entsteht eine Diskrepanz. Eine Trennung. Das Kind kann das so natürlich nicht artikulieren. Aber es ist spürbar.


Aussagen und Mimik wie in unserem Beispiel kreieren in der Realität des Kindes eine Distanz zwischen dem,

  • was sie wirklich fühlen (z.B. Angst - hilfe, was ist gerade passiert?),

  • körperlich empfinden (z.B. Schmerzen oder das Herzchen rast ganz schnell)

  • und dem, was das Umfeld sagt (ist nichts passiert/ist doch alles gut).


B R U C H


Der schleichende Verlust des eigenen Selbstvertrauens

Verstehst du was in die Brüche geht?


Nicht mit einer solchen Aussage allein, aber wenn das Kind permanent hört, dass es anders fühlen soll, wenn immer wieder die Wahrnehmung von außen eine andere ist, als die selbst erlebte, wenn das Kind in der eigenen Wahrnehmung nie oder selten ernst genommen wird, geht die Verbindung zum eigenen Selbstvertrauen mit der Zeit in die Brüche.


Unbewusst gleichen Kinder ihr Innenleben mit der Realität ab, die sie gespiegelt bekommen und fragen sich:


Wie soll ich mir selbst vertrauen, wenn ich etwas anderes wahrnehme, als mir mein Gegenüber spiegelt? Das, was mir meine Bezugsperson sagt, muss doch stimmen, denn ihr vertraue ich.

Und wenn einmal das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung immer und immer wieder angeknackst wird, wird der Zugang zu unserer Intuition immer tiefer vergraben.


Unsere Intuition ist wiederum soooo wichtig für all die Entscheidungen in unserem Leben, denn sie ist der innere Kompass, der uns im Leben zeigt, ob wir auf dem richtigen Weg sind.


Und genau daran mangelt es bei so vielen (erwachsenen) Menschen. Die innere Führung in Selbstvertrauen.


Wer nicht in sich selbst vertraut, sucht die Antworten auf die inneren Fragen im Außen


Beispiele, in denen die innere Wahrnehmung des Kindes von der des Erwachsenen übergangen wird:


  • du brauchst keine Angst zu haben

  • stell dich nicht so an

  • heul doch nicht immer gleich

  • ist doch nicht so schlimm

  • dir ist sicher schon kalt, zieh was an

  • du musst jetzt sicher hungrig sein

  • das hat doch nicht weh getan

  • schau, war garnicht so wild, jetzt lachst du ja wieder

  • ... Bitte teile mit mir, welche Beispiele dir noch kommen!


Ich weiß, viele Menschen nutzen diese Aussagen mit der Intention, den Schmerz für das Kind abschwächen zu wollen. Machen wir uns jedoch bitte bewusst, dass es niemals (!) in der Macht und auch nicht im Recht einer außenstehenden Person liegt, beurteilen zu können, wie eine andere Person etwas wahrnimmt oder wahrnehmen soll.


Und viele nutzen diese oder ähnliche Aussagen jedoch auch mit der Intention, Kinder abzuhärten. Das jedoch ist doch in Wahrheit das 1x1 der Sozialisierung in einer patriarchal geprägten kapitalistischen Gesellschaft. Zeig keine Emotionen (egal welches Geschlecht du hast, bei Jungs meistens noch mehr), schluck alles runter, steh auf und mach weiter.


Was wir daraus lernen? Egal, ob du Schmerzen hast, zeige es nicht & mach weiter.


Wie wir dadurch sozialisiert werden? Zu von unseren Gefühlen abgespaltenen Roboter. Zu Menschen, die keinen Kontakt mehr zu ihrer Intuition haben, weil sie die innere Wahrnehmung leiserdrehen mussten. Weil sie gelernt haben, nicht mehr auf ihren inneren Kompass zu vertrauen. Bis sie sich selbst nicht mehr vetrauen und als erwachsene Person kaum bis keinen Kontakt mehr zu ihrem Innenleben haben, die Signale des Körpers nicht mehr deuten können und nur noch aus ihrem Verstand heraus leben.


Wer nicht in sich selbst vertraut, sucht die Antworten auf die inneren Fragen im Außen.

Und das führt wohl oder übel zu Menschen, die mehr von ihrer Angst geleitet werden, anstatt von innerem Vertrauen und positiver Visionen. Ziemlich gefährlich in unserem Zeitgeist, in dem ganz viel mit Angst und Unsicherheit gearbeitet wird, was zur Spaltung, Verhärtung und Verrohung unseres Miteinanders führt. All das erleben wir so deutlich im Weltgeschehen, im Großen wie im Kleinen. Weit weg und ganz nah bei uns.


Wer jedoch tief mit sich verbunden ist, fällt nicht so leicht auf Angstmacherei rein und kann integrer handeln. Wer mit sich verbunden ist, kann der eigenen Körperweisheit lauschen und ist nicht so sehr abhängig vom Außen. Wer mit sich verbunden ist, kann auf sich selbst vertrauen.


Wir brauchen auf dieser Welt ganz viele Menschen, die mit ihrem Herzen verbunden sind und dadurch mit-einander.



Schritt für Schritt zurück zum eigenen Selbstvertrauen

Diese bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Prägung, den inneren Stimmen (welche ist meine, welche habe ich übernommen?) und dem eigenen Verhalten z.B. als Elternteil kann sehr aufschlussreich sein. Aber auch irritierend und innerlich sehr bewegend, manchmal sogar auch beschämend.


Ich möchte dir sagen, dass es sich dennoch lohnt, diesen bewussten Weg einzuschlagen und es keinen Grund zur Scham gibt, auch wenn dir bei der ehrlichen Reflexion deines Verhaltens auffallen sollte, dass du dich wie im oben genannten Beispiel verhältst. Wir sind alle hier auf der Erde, um zu lernen. Jeden Tag.


Und es ist nie zu spät und immer der richtige Zeitpunkt, innezuhalten, zu hinterfragen & mehr über sich zu lernen:


  • stimmen die Stimmen, die mir den Weg weisen wollen, mit meiner inneren überein? Sind das meine Stimmen oder habe ich sie übernommen?

  • Ist wie ich mich verhalte oder was ich sage, wirklich stimmig für mich?

  • Fühlt sich das richtig an, was ich sage oder mache?

  • Was würde mein Herz dazu sagen?

  • Wie sehr schalten sich die Stimmen von anderen ein, wenn es um Entscheidungen geht, die nur ich für mich oder mein Kind treffen kann?

  • Sehe ich mich bzw. mein Kind gerade in den jeweils eigenen Bedürfnissen oder stülpe ich meinem Kind etwas über, das ich gerne hätte? Oder stülpe ich mir etwas über, das jemand anderer (z.B. Bezugsperson aus der Vergangenheit) gerne gehabt hätte?


Jeden Schritt, den wir in Einfühlsamkeit gehen - uns selbst und anderen gegenüber - gehen wir zurück nachhause zu uns. Weg von der Abhängigkeit im Außen, zurück zur inneren Selbstführung und Selbstverantwortung, zurück ins eigene Selbst-Vertrauen.


Wenn du deinen Körper nicht gut spürst und dich danach sehnst, wieder in den Kontakt mit dir und deiner inneren Wahrnehmung zu kommen, lade ich dich zu meinem Retreat im September am Faaker See ein. Mit Yoga, achtsam Essen, geführten Wanderungen und Übungen - 4 nährende Tage, die die Beziehung zu deinem Körper stärken und dich auch nachhaltig begleiten werden. Erfahre hier mehr.


Wie wir dafür sorgen, dass unsere Kinder mit ihrem Selbstvertrauen verbunden bleiben


Es führen immer mehrere Wege zum Ziel. Ein Weg, den wir immer gehen können ist der, unseren Kindern zuzuhören und sie ernst zu nehmen. Denn alles was sie tun und sagen hat einen Hintergrund und lässt sich auf Bedürfnisse zurückführen, die zutiefst menschlich sind.


Je kleiner, desto weniger können sie artikulieren, was sie wirklich fühlen, wahrnehmen oder brauchen. Und desto wichtiger ist unsere Übersetzungsarbeit als Eltern, Bekannte & Freunde.


Die Basis ist immer: ich ehre was du mir mitteilst.


Du bist erschrocken? Ich höre dich.


Du hast dir weh getan? Ich höre dich.


Du hast keinen Hunger? Ich höre dich.


Du frierst garnicht? Ich höre dich.


Wir müssen nichts davon runterspielen. Im ersten Schritt geht es nur darum, zuzuhören.


Es heißt nicht, dass wir unser Kind bei -20 Grad nackt mit zum Einkaufen nehmen, nur weil es sagt im Moment nicht zu frieren. Hier geht es gerade auch nicht um den nächsten Schritt, sondern um den ersten: dem Kind zuzuhören und die innere Wahrnehmung beim Kind zu lassen. Nicht unsere eigene überzustülpen.


Erinnern wir uns bitte daran, dass kein Mensch jemals befähigt dazu ist, besser zu wissen, was im Erleben des Gegenübers geschieht, als das Gegenüber selbst. Und kein Mensch hat das Recht dazu, zu fordern, wie oder was das Gegenüber fühlen und wahrnehmen soll.


Und so müssen wir auch als Eltern oder Bekannte oder Freude akzeptieren, dass Kinder eigene Erfahrungen machen und das was sie innerlich währenddessen wahrnehmen, bei ihnen zu lassen & es ihnen nicht abzusprechen. Für ein starkes inneres Selbstvertrauen.


Wenn (d)ein Kind also das nächste Mal über den Weg rennt, hinfällt, kurz wartet und anfängt zu weinen, geh bitte deiner intuitiven Reaktion hinterher, der dich zu (d)einem Kind rennen lässt, anstatt dich der Sozialisierung hinzugeben, die dich für das Leben so hart werden hat lassen.


Du machst das genau richtig, du kannst deinem inneren Impuls vertrauen. Du kannst dir selbst vertrauen.


Diese oft so dunkle, harte Welt braucht jede Menge Rollenbilder, die dafür sorgen, dass diese Welt Tag für Tag mit Mitgefühl & Liebe gefüllt wird und die zeigen, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen können, egal ob wir mit 70 jährigen oder mit 7 jährigen sprechen.


Lasst uns dafür sorgen, dass WIR diese Rollenbilder sind.


LOVE

Cora

 

 
 
 

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