Heilung bedeutet Ganzwerdung und entsteht am Weg zurück zu dir
- 6. Mai
- 9 Min. Lesezeit
In uns existiert immer Ganzheit, aber auch Verletzung
Du liest in diesem Artikel über das Gefühl der Unvollständigkeit, der Suche nach dem verlorenen Puzzlestück und der Bewusstwerdung, was es eigentlich braucht, damit wir Heilung erfahren
Beinahe hätte ich nicht über dieses Thema geschrieben, weil Heilung so ein verdammt großes Wort ist, es viele verschiedene Meinungen dazu gibt und dadurch auch so viele Missverständnisse. Dieses Thema ruft mich jedoch so laut, dass ich nicht drum herum komme.
Bei einigen Angeboten, die über die Sozialen Medien an mich herangespült werden, bin ich etwas verwirrt und teilweise auch verärgert. Viele werben mit dem Begriff der Heilung, ohne ausreichend anzuerkennen, dass Heilung höchst individuell erlebt wird und niemals versprochen werden kann.
Da dieser Begriff so vielen, inklusive mir, so leicht über die Lippen fließt, war es mir ein Anliegen, die richtigen Worte zu finden, die auch meinem Verständnis von Heilung entsprechen und sie mit dir zu teilen. Außerdem schreibe ich darüber, welchen "Heilungsangeboten" wir direkt den Rücken zukehren sollten, wo die Suche nach Heilung nicht und wo sie sehrwohl angebracht ist. Und wir berühren das Thema der inneren Wunden und Verletzungen, die Heilung in weiterer Folge überhaupt nötig machen.
Betonen möchte ich, dass meine Intention die ist, Entspannung & Vorfreude in den Weg der inneren Heilung hineinzubringen und nicht zum Sturm der angstbasierten Angebote beizutragen.

Heilung bedeutet Freiheit von Symptomen im medizinischen Kontext
Heilung ist ein großes Wort mit großer Bedeutung und daher werden wir unterschiedliche Antworten auf die Frage bekommen, was Heilung ist. Je nachdem wen wir Fragen: unterschiedliche Fachgebiete, Religionen, philosophische Schulen und Personen.
Unter Heilung im medizinischen Sinne wird die Genesung oder Gesundung verstanden. Also die Freiheit von Krankheit oder Symptomen und die Wiederherstellung von Gesundheit. Verena König (Traumatherapeutin) erwähnt in einer ihrer Podcastfolgen, dass viele Menschen genau das antworten, wenn sie gefragt werden, was für sie Heilung bedeutet: die Freiheit von Symptomen.
Ich bin ganz ihrer Meinung, wenn sie sagt, dass wir zu kurz greifen, wenn wir nur die Symptome im Blick haben. Selbstverständlich kann es wichtig sein, zuerst einmal Symptome zu behandeln, um Entlastung herzustellen, was in weiterer Folge den Weg für eine tiefergehende Auseinandersetzung des Leidens erst ermöglicht. Wenn die Symptombehandlung jedoch das erste UND letzte Ziel in der Genesung ist, sich der Wurzel des Leidens jedoch nicht gewidmet wird, bleibt die Frage, wann die Symptome wiederkehren.
Abseits des medizinischen Kontexts gibt es auch andere Ansätze zur Definition von Heilung. Folgendes entspricht sehr meinem Verständnis:
Heilung bedeutet Ganzwerdung
Durch die yogischen Lehren, die mich nun seit 15 Jahren begleiten, habe ich verinnerlicht, dass wir immer ganz sind. Wir tragen unseren Wesenskern in uns, der immer und zu jedem Zeitpunkt ganz ist. Es ist unsere Seele, die stets unversehrt und heil ist.
Verena König bekräftigt dies, indem sie sagt, dass Heilung in ihren Augen viel mehr ist, als die Abwesenheit von Symptomen. Es ist u.a. das Wissen darüber, dass du in deinem tiefsten Inneren unversehrt bist. Ob du Symptome hast oder nicht. Sie zeichnet dadurch ein größeres Bild von Heilung, sodass es nicht nur darum geht, gegen Symptome zu kämpfen. In ihrem Augen ist Heilung u.a. eine bewusste Hinwendung an sich selbst, Befreiung und Ermächtigung.
Für Gabor Maté (auf Sucht & Trauma spezialisierter Mediziner) ist Heilung eine natürliche Bewegung hin zur Ganzwerdung.
Auch er stimmt überein: Heilung ist mehr als nur die Freiheit (oder Reduktion) von Symptomen.
Wenn Heilung also Ganzwerdung ist, impliziert das, dass die, die heilen wollen, zum jetzigen Zeitpunkt nicht ganz sind? Nein. Das bedeutet es nicht.
Kannst du ein sowohl als auch halten?
Dann kommen wir zum richtig spannenden Teil dieses Artikels:
In uns existiert immer Ganzheit. Aber auch Verletzung.
Lass dich für einen Moment gedanklich in dieses Bild mitnehmen und stell dir ein neugeborenes Baby vor. Es trägt bereits alles in sich.
Ein kleines Menschlein kommt zur Welt und ist in sich heil. Ganz.
Ich wurde durch die Geburt meiner Tochter und dem großen Privileg, sie beim Hereinwachsen in diese Welt beobachten zu dürfen, abermals darin bestätigt, dass es wahr ist. Diese kleinen Menschleins sind kognitiv und emotional noch nicht ausgereift, aber volltsändig in sich. Sie tragen die Möglichkeiten in sich, ihr ganzes Selbst zu entfalten, sodass ihr Wesenskern zum Ausdruck kommen kann - sofern ihre Umgebung die Entfaltung des inneren Potenzials auch möglich macht. Wie bei dem Samen einer Pflanze. Je nach Nährboden, auf den er fällt kann er entweder sein ganzes Potenzial entfalten oder nicht.
Auf dem Weg des Heranwachsens und während der Orientierung im Leben, müssen diese kleinen Menschen Entscheidungen treffen. In den jungen Monaten & Jahren des Heranwachsend geschehen viele davon autonom, also unbewusst und ohne den Puffer der Resilienz, die in diesen jungen Körpern noch nicht vorhanden ist. Sowie ohne Zutun ihrer emotionalen & kognitiven Fähigkeiten, die ebenfalls noch nicht vollständig gereift sind.
Babies, Kleinkinder & junge Heranwachsende reagieren auf ihr Umfeld, um sich zutiefst natürliche Bedürfnisse zu erfüllen, wie Schutz, Nähe, Verbindung, Liebe.
Das ist das Ziel.
Bedingungslos.

Sie kommen zu uns, um geliebt zu werden und um Liebe zu geben. Ohne ihre Liebe an Bedingungen zu knüpfen und ohne Bedingungen zu erwarten. Sicherheit, Nähe, Verbundenheit & Liebe, um einige zu nennen, sind ur-natürliche Bedürfnisse, die erwachsene Menschen ebenfalls haben, sich dessen oftmals jedoch nicht bewusst sind.
Sicherheit durch Anpassung herzustellen ist die intelligenteste Lösung eines noch unreifen Gehirns
Leider findet Beziehung nicht immer bedingungslos statt. Wenn einem kleinen Menschlein immer und immer wieder Schutz, Nähe, Verbindung oder Liebe vorenthalten werden, wird das kleine Systemchen eine Strategie wählen (eine unbewusste & höchst intelligente Strategie des autonomen Nervensystems), um diese Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Kinder passen sich an, um lebensnotwendige Bedürfnisse erfüllt zu bekommen.
Ich möchte es so ausdrücken: durch die Verletzung bedingungsloser Zuwendung findet innerlich eine Umprogrammierung statt. Von "ich werde beschützt, geliebt, umsorgt, einfach weil ich bin" hin zu "ich werde nur beschützt, geliebt & umsorgt, wenn ich XY tu oder mich wie XY verhalte".
Diese Verletzung und darauffolgende Anpassung fand bei sehr vielen Kindern statt. Und mittlerweile sind sie erwachsen, stehen mitten im Leben und haben vielleicht selbst Familie. Innerlich verletzt und angepasst und sich dessen oft nicht bewusst.
Eine Schlussfolgerung mit Folgen: von der Ganzheit zum Gefühl innerer Unvollständigkeit
Ein Kind ohne ausreichend entwickelter emotionaler & kognitiver Kompetenz zur Selbstregulation und ohne ausreichend aufgebaute und gefestigtet Resilienz, wird durch sein Umfeld im Laufe der Zeit also ein Glaubenskonstrukt verinnerlichen, das in unseren erwähnten Beispielen leider oft mit negativen Folgen des eigenen Selbstausdrucks und der Fähigkeit, authentisch Beziehungen einzugehen, einhergeht.
Denn das junge Gehirn schlussfolgert, dass etwas mit ihm selbst nicht richtig ist. Anstatt das Verhalten oder die unzureichende Fürsorge Teil der engsten Bezugspersonen sein zu lassen. Die Folge: das ICH (so wie ich bin) wird sich anpassen und leisergedreht, UM Liebe zu bekommen, Sicherheit, Nähe etc.
Ein früh eingeprägter Glaubenssatz kann in etwa so lauten und sich unbewusst auf viele Bereiche des eigenen Lebens auswirken.
So wie ich bin, bin ich nicht gut genug.
So wie ich bin, bin ich falsch.
So wie ich bin, werde ich nicht geliebt.
So wie ich bin, werde ich nicht beschützt.
Ach mein Herz schmerzt, wenn ich mir vorstelle, wie viele Heranwachsende das fühlen mussten und wie viele Ausgewachsene in der Welt sind, die davon noch immer betroffen sind und darunter leiden.
Ich möchte hier nicht die Eltern oder engsten Bezugspersonen beschämen, durch die viele dieser Prägungen stattfanden. Meistens verhalten sich Menschen so, weil sie selbst verletzt wurden und die Welt durch ihre Verletzung und Prägung heraus anders wahrnehmen und geringe Kapazitäten hatten, es anders zu machen. Darauf nun einzugehen, würde den Rahmen sprengen. Jedenfalls möchte ich klarstellen, dass es hier um keine Schuldzuweisung geht.
Ich erwähne es, um zu erkennen, warum sich Menschen von ihrem SELBST wegentwickeln. Und um zu verstehen, dass es einen Sinn dahinter gab.

Wenn Menschen tiefsitzende Verletzungen oder sogar Trauma und seine Folgen in sich tragen, kann es passieren, dass das Erkennen und Spüren der inneren Ganzheit (ich bin gut so, wie ich bin) überdeckt wird und es schier unmöglich scheint, damit wieder in Kontakt zu kommen.
Wenn die eigene Schlussfolgerung war "so wie ich bin, bin ich nicht richtig" war es notwendig, das ICH leiserzudrehen und Sicherheit durch Anpassung herzustellen.
Auf diesem Weg verlieren viele ihren eigenen Selbstausdruck.
Und Anpassung wird zur Normalität. Oft Jahrzehntelang.
Die Suche nach dem fehlenden Puzzlestück
Viele Menschen, die sich innerlich unvollständig fühlen, können es vielleicht nicht in Worte fassen, aber spüren, dass ihrem Leben etwas fehlt. Manche spüren es als ewige Suche, als ein Feststecken in ihrem Lebensweg, als wären sie in einem Hamsterrad oder erleben Situationen, die sie wiederholt "verfolgen". Manche Menschen nehmen subtil oder stark war, dass da noch mehr ist, aber können es nicht ganz greifen.
Das Gefühl von Unvollständigkeit ist der Grund, weshalb viele Menschen im Außen nach etwas suchen, das sie vervollständigt und wieder ganz fühlen lässt.
Oft ist es kein bewusstes Suchen nach dem "verlorenen Puzzlestück", es ist vielmehr eine unbewusste Suche, die seit Jahren besteht und weiter und weiter geht. Die Suche bezieht sich u.a. auf Beziehungen (der/die richtige Partner*in), ein weiterer Kurs, eine Ausbildung, ein Auto, ein neues Erscheinungsbild (Outfit, Frisur, Botox...), eine neue Arbeitsstelle, ein Wohnungswechsel, Geld am Konto...usw.
Erkennen können wir diese vermeintlichen Puzzlestücke zum Glück an Sätzen wie den Folgenden:
Wenn ich dort arbeite, dann werde ich erfüllt sein
Wenn ich erstmal den Abschluss habe, kann ich mich selbst respektieren
Wenn ich mir dieses Haus leisten kann, bin ich zufrieden
Wenn ich die Beförderung kriege, habe ich es geschafft
Wenn ich XY € auf dem Konto habe, kann ich mich endlch entspannen
Wenn ich Ja zu XY sage, werde ich geliebt
Wenn er/sie mich daten will, bin ich wichtig
Wenn ich eine/n Partner/in habe, bin ich vollständig
Wenn ich 5kg verliere, bin ich attraktiv
Wenn ich diesen Auftrag bekomme, bin ich zufrieden mit mir
Wenn mein Reel XY mal geschaut wurde, steigt mein Selbstwert
Wenn ich einen Marathon laufen kann, bin ich wertvoll
Kommt dir der ein oder andere Satz davon bekannt vor? Trägst du den ein oder anderen "Erst-wenn-dann-Gedanken" in dir? Sollte die Antwort Ja lauten, begegne dir mit Mitgefühl.
Die Suche nach einem Ersatz im Außen gleicht vermeintlich das innere Gefühl nach Unvollständigkeit aus. Oftmals erst Jahre später (wenn überhaupt) realisieren betroffene Menschen, dass diese Suche immer unbefriedigend bleiben wird, weil sie im Außen niemals beendet werden kann.

Wir heilen am Weg zurück zu uns selbst
Nicht selten werden Menschen durch Angebote in den Kauf von Kursen oder Ratgeberbüchern gezogen, die Heilung versprechen und die Suche im Außen befeuern. Leider stehen KonsumentInnen nach kurzen Erkenntnis-Momenten meistens wieder am ähnlichen Punkt wie vorher. Verunsichert und suchend. Wenn dir also ein Heilungsversprechen unterkommt, kann ich also nur empfehlen: dreh sofort um!
Verletzungen sind so individuell und so ist es Heilung ebenfalls. Daher gibt es leider kein Patentrezept, auch wenn das viele gerne hätten.
Was es jedoch gibt ist ein Weg, auf dem du dich begeben kannst.
Eine Richtung.
Denn wenn Heilung Ganzwerdung bedeutet, geht es vor allem darum, dich den Anteilen deiner Selbst, die du auf deinem Lebensweg unterdrücken oder leiserdrehen musstest, wieder zuzuwenden. Es gilt, die Persönlichkeitsanteile in dir, die du angepasst hast, weil du nicht so sein durftest, wie du hier her gekommen bist Schritt für Schritt zu integrieren. Um deine GANZHEIT anzuerkennen, sie wieder zu verkörpern und DICH voll zu (er)leben.
Heilung bedeutet, dein ICH wieder freizulegen, ihm mitfühlend zu begegnen und zu integrieren. Die Anteile in dir, die du einst unterdrücken musstest, weil du nicht so sein durftest, wie du hier her gekommen bist.
Auf diesem Weg geht es um die Auseinandersetzung mit unbewusst angeeignetem Anpassungsverhalten, Mustern, Glaubenssätzen und der Persona, wie es Carl G. Jung ausdrückt, die einst notwendig war zu verkörpern.
Um dich zu spüren. Zu fühlen. Zu erleben.
Um Verbindung mit deinem Körper wiederherstellen. Um das Leben leichter zu leben, freier und selbstbestimmter. Um dein Leben selbst-bewusst und selbstbestimmt zu gestalten. Um ein Leben in Würde und Verbundenheit zu leben.
Um immer mehr DU zu sein.
Heilung ist keine Endstation. Sie ist der Weg zurück zu dir.
Heilung ist sehr individuell und deshalb gibt es kein Patentrezept, mit dem dir jemand Heilung versprechen kann. Kein Mensch, keine Methode, kein Medikament kann dir 100%ige Heilung garantieren. Der Begriff Ganzwerdung impliziert, dass Heilung keine To Do ist, die mit einmal erledigt ist.

Heilung ist ein Weg, auf dem wir gehen. Und dieser Weg ist nicht linear, sondern vielmehr eine dynamische Reise mit Höhen, Tiefen & Schleifen - bei uns allen anders.
Auch wenn es kein Patentrezept gibt, so gibt es durchaus eine Richtung, die du für deine innere Heilung einschlagen kannst.
Eine Tür, die du öffnen kannst.
Ein Schritt weg von den Anpassungen, die du dir aneignen musstest.
Und ein Schritt näher zu dir selbst.
Auf diesem Weg kann manchmal losgelassen werden, was nicht wahrhaftig deines ist.
Und befreit werden, was unterdrückt werden musste.
Es kann mehr Raum entstehen für deine Entscheidungen und Handlungen.
Es kann sich leichter anfühlen.
Und ermächtigend, dir die eigene Selbstführung wieder mehr anzueignen.
Wenn du dir die Gelegenheit gibst, zuzuhören, was lange leiser gedreht war, führt dieser Weg dich Schritt für Schritt zurück zu dir nachhause. Um Stück für Stück dein wahres ICH freizulegen.
Du möchtest diesem Ruf folgen, dein wahres ICH freizulegen? Dann lade ich dich mit Coming Home auf eine ganz besondere Reise ein:
Coming Home ist ein zweiteiliger Workshop mit Beginn Mitte Mai 2026.
Ohne Heilversprechen.
Dafür aber mit einer Richtung.
Nachhause zurück zu dir.
Um deine Ganzheit mehr und mehr zu verkörpern & auszudrücken.
Katja & ich laden dich durch einen liebevoll gehaltenen Raum mit Übungen, Impulsen & Teachings dazu ein, deine eigenen Anpassungsstrategie(n) zu erkennen, dir Selbst auf eine neue Weise in Beziehung zu treten -verbunden, ehrlich & sicher - und dein wahres Selbst Stück für Stück freizulegen und auszudrücken.
Coming Home.
Zuhause in mir. In Beziehung mit der Welt.
Ich freue mich von ganzem Herzen, dich ein Stück deines Weges zu begleiten!
Cora
Schreibe mir gerne eine Nachricht, wenn du dir unsicher bist, ob dieser Workshop für dich passend bist und wenn du Fragen dazu hast: corasommeryoga@gmail.com



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